Ratgeber

Laufen im Winter: Was Kälte und Wind mit deinem Gesicht machen

4 Min. Lesezeit

Im Sommer ist Laufen ein Schweißproblem, im Winter ein Barriereproblem. Nach zehn Kilometern bei zwei Grad und Wind kommt man mit einem Gesicht nach Hause, das brennt, rot ist und in der warmen Wohnung anfängt zu spannen. Wer den ganzen Winter durchläuft, hat im Februar oft raue, schuppende Wangen. Das ist kein Pech, sondern ein vorhersehbarer Ablauf — und deshalb planbar.

Was im Winter mit der Haut passiert

  • Unter 8 °C stellt die Talgproduktion praktisch ein. Der Fettfilm, der die Haut normalerweise vor Feuchtigkeitsverlust schützt, wird schlicht nicht mehr nachgeliefert.
  • Wind trägt Feuchtigkeit aktiv ab. Beim Laufen kommt zur Windgeschwindigkeit das eigene Tempo dazu — bei 12 km/h Gegenwind und 12 km/h Lauftempo stehen 24 km/h Luftstrom auf dem Gesicht.
  • Kalte Luft hält kaum Wasser. Draußen trocken, drinnen durch die Heizung noch trockener — die Haut kommt aus einem Extrem ins nächste.
  • Der Temperatursprung reizt die Gefäße. Von minus zwei in die 22 Grad warme Wohnung: Die Gefäße weiten sich schlagartig, das Gesicht wird rot und brennt.

Vor dem Lauf: eine Schicht mehr

Die Pflege vor dem Winterlauf hat eine Aufgabe, die sie im Sommer nicht hat: als Barriere zu wirken. Dafür braucht es reichhaltiger als sonst — die Nourishing Rich Cream legt einen Film auf die Haut, der Wind und Kälte abpuffert. Etwa 20 Minuten vor dem Start auftragen, damit sie eingezogen ist.

Zwei Fehler, die häufig gemacht werden: wässrige Gels vor dem Lauf — Wasser auf der Haut bei Minusgraden ist genau die falsche Richtung. Und gar nichts auftragen, weil man im Winter nicht schwitzt. Man schwitzt, nur verdunstet es sofort.

Sonnenschutz — auch im Winter

Bei Schnee und im Gebirge reflektiert der Boden einen erheblichen Teil der UV-Strahlung zurück ins Gesicht, und zwar von unten, wo keine Mütze schützt. Wer im Winter draußen bei Tageslicht läuft, gehört mit Schutz raus — ein SPF50-Stick lässt sich mit Handschuhen auftragen und läuft nicht in die Augen. Warum Sonnenschutz beim Sport eigene Regeln hat, steht im Artikel Sonnenschutz beim Sport.

Nach dem Lauf: nicht sofort unter die heiße Dusche

Der stärkste Reiz des ganzen Winterlaufs ist der Sprung von Kälte in heißes Wasser. Die Haut ist unterkühlt, die Gefäße eng — heißes Wasser darauf gibt den maximalen Ausschlag. Fünf Minuten im Warmen ankommen lassen, dann lauwarm duschen. Das Gesicht mild waschen: das Clarifying Gel löst Salz, ohne den ohnehin dünnen Fettfilm zu entfernen. Aggressive Reiniger sind im Winter der häufigste vermeidbare Fehler.

Abends: Barriere reparieren

Was der Winter abträgt, muss nachts wieder aufgebaut werden. Ceramide sind die Bausteine, aus denen die Barriere besteht — die Ceramide Barrier Night Cream liefert sie in der Phase, in der die Haut ohnehin repariert. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Ceramide und die Hautbarriere.

Bei bereits geschädigter, rissiger Haut hilft zusätzlich Urea, weil es Wasser in der Hornschicht bindet — siehe Urea-Creme: Wirkung.

Was im Winter pausiert

Wer im Sommer mit Säuren und stark wirksamen Seren arbeitet, sollte im Winter zurückfahren. Peelings, Retinoide und starke Säuren auf einer Haut, die täglich Wind und Kälte abbekommt, führen zu genau der gereizten, brennenden Haut, die man vermeiden will. Ein bis zwei Anwendungen pro Woche statt täglich reichen — die sanftere Retinol Alternative ist im Winter oft die bessere Wahl als klassisches Retinol.

Die Winter-Routine für Läufer

  1. 20 Minuten vor dem Lauf: reichhaltige Creme, bei Tageslicht plus Sonnenschutz.
  2. Direkt nach dem Lauf: fünf Minuten ankommen, dann lauwarm duschen, Gesicht mild reinigen.
  3. Abends: Barrierepflege mit Ceramiden.
  4. Über den Winter: Säuren und Peelings reduzieren, Wassertemperatur runter, in beheizten Räumen für Luftfeuchte sorgen.

Wann zum Hautarzt?

Wenn die Rötung nach dem Lauf nicht innerhalb einer Stunde zurückgeht, sich sichtbare Äderchen dauerhaft zeigen oder das Gesicht anfallsartig brennt und rot anläuft, kann eine Rosazea dahinterstecken — Kälte und Sport sind zwei ihrer klassischen Auslöser. Das ist behandelbar, aber nicht mit Feuchtigkeitscreme allein. Auch bei tiefen, schmerzhaften Rissen ärztlich abklären lassen.

Kurz zusammengefasst

Winterlaufen ist ein Barriereproblem: keine Talgproduktion, viel Wind, trockene Luft, Temperatursprünge. Vor dem Lauf reichhaltig schützen, nach dem Lauf mild reinigen und langsam aufwärmen, abends mit Ceramiden aufbauen, Säuren zurückfahren. Die Sommerversion steht im Artikel Hautpflege nach dem Laufen.

Häufige Fragen

Warum wird die Haut beim Laufen im Winter so trocken?

Unter etwa 8 °C stellt die Talgproduktion praktisch ein, der eigene Schutzfilm wird nicht mehr nachgeliefert. Gleichzeitig trägt der Wind Feuchtigkeit ab – bei 12 km/h Gegenwind und 12 km/h Lauftempo stehen 24 km/h Luftstrom auf dem Gesicht.

Braucht man beim Laufen im Winter Sonnenschutz?

Bei Tageslicht ja, besonders bei Schnee und im Gebirge. Schnee reflektiert einen erheblichen Teil der UV-Strahlung von unten ins Gesicht, wo keine Mütze schützt. Ein Stick lässt sich mit Handschuhen auftragen und läuft nicht in die Augen.

Darf man nach dem Winterlauf heiß duschen?

Besser nicht. Die Haut ist unterkühlt und die Gefäße sind eng – heißes Wasser gibt den maximalen Ausschlag und löst zusätzlich den ohnehin dünnen Fettfilm. Fünf Minuten im Warmen ankommen, dann lauwarm duschen.